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Steffen-Claudio Lemme: Für Nordha. in den Bundetag

 

„Frau.sein.vor Ort“ - auf den Spuren besonderer Frauen in Nordhausen

Allgemein

Wussten Sie, dass die erste deutsche Königin Mathilde (895-968) in Nordhausen einen Frauenstift errichtete? Oder dass drei ihrer fünf Kinder, die sie mit König Heinrich hatte, in Nordhausen geboren wurden? Viele unvermutete Fakten hatte Heidelore Kneffel für die Teilnehmerinnen parat.

Heidelore Kneffel berichtet auf dem Stadtrundgang nicht nur über Königin Mathilde. Aus jeder Epoche gäbe es Interessantes über Nordhäuser Frauen zu erzählen. Eine weitere von ihnen war Elise Ehrhardt-Rächler. Geboren im Jahr der Französischen Revolution, fand sie schnell zur Poesie. Mit zahlreichen Werken, wie dem 1818 erschienen Gedichtband „Wiesenblumen“, wurde sie überregional bekannt und als Poetin anerkannt. Als eine Künstlerin, die von ihrer Arbeit leben konnte, zählte auch Maria Schmidt-Franken. Die 1967 in Nordhausen verstorbene Malerin hinterließ der Nachwelt ein umfangreiches Werk. Unter anderem ihre großen Bilder mit Motiven aus der Region für den Ratskeller sind vielen Gästen in Erinnerung. „Leider sind die Bilder nicht mehr an ihrem Originalplatz zu sehen und verkommen in einem Keller,“ bedauert die Referentin. Sie fände sehr traurig, wie die Stadt mit ihren Künstlern und allgemein mit ihrer Geschichte umgehe. So sei in den 1990er Jahren in Erinnerung an das Wirken Mathildes ein „Mathilden-Pfad“ angelegt worden. „Jetzt sind Teile des Weges mit einem Zaun abgesperrt und Touristen kommen nicht mehr durch,“ schüttelt sie den Kopf. Ähnlich verhalte es sich mit dem Gedenken an Schmidt-Franken. Ihr wurde mittlerweile in der Flohburg mit einer Ausstellung ein Denkmal gesetzt.

Nordhausen kann sich auch damit rühmen, in den Wirren des Zweiten Weltkrieges für ein Jahr Zufluchtsstätte der berühmten Käthe Kollwitz gewesen zu sein. Nach langem Drängen der Nordhäuser Künstlerin Margret Böning, in deren Haus ‚Vor dem Hagentor‘ Kollwitz in dieser Zeit wohnte, ging sie aus ihrem geliebten Berlin fort - kurz bevor ihr Wohnhaus durch Bomben zerstört wurde. In Nordhausen fühlte sich die alte Dame gut behütet und umsorgt. Zur Erinnerung an den Aufenthalt in der Stadt fertigte Margret Böning eine Plakette an, die am Haus befestigt wurde. „Nach der Wende,“ ergänzt Heidelore Kneffel, „wurde die Plakette auf dem Dachboden des Rathauses gefunden.“ Mittlerweile ist eine Steinplatte an dem Haus angebracht. Die Plakette ist in der Flohburg ausgestellt. Nachdem sie zwischenzeitlich gestohlen worden war, erschien das der sicherere Platz.
Diese Episoden - versperrte Wanderwege, abgenommene Kunstwerke oder eingemottete Gedenktafeln - legen die Vermutung nahe, es fehle an Spürsinn für die eigene Geschichte, so Kneffel. Sie wünsche sich, so die ehemalige Lehrerin, dass in den Schulen mehr Wert auf die Vermittlung lokaler und regionaler Kenntnisse gelegt werde. Wenn über König Heinrich gesprochen werde, könne genauso Bezug auf seine Frau genommen werden. Wenn in der Schule über zeitgenössische Kunst gesprochen werde, warum dann nicht auch über Maria Schmidt-Franken, gibt sie zu bedenken.

„Frauen waren in jeder Epoche und in jedem Zipfel Thüringens engagiert,“ resümiert Anika Gruner, Mitglied des ASF-Landesvorstandes und stellvertretende Vorsitzende des SPD-Kreisvorstandes Nordhausen. „Sie haben ihre Möglichkeiten genutzt und zum Wohl der Gesellschaft gewirkt,“ ist sie sich sicher. „Sie haben es verdient, dass wir uns an sie erinnern.“

Im Rahmen der ASF-Reihe „Frau.sein.vor Ort“ erkunden interessierte Teilnehmende thüringische Städte und Regionen mit dem Augenmerk auf Frauen und deren Wirken. Am 5. November lud die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen Thüringen (ASF) nach Nordhausen ein, nachdem im Sommer bereits Weimar eine der Stationen war. Im Dezember ist eine Fortsetzung in der Wartburgstadt Eisenach geplant.

 

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